Es reicht: Stoppt die Nazi-Angriffe!
Abend)Spaziergang gegen rechts: Den Nazis die Straße nehmen! Am 22.04.2006 um 21:00 Uhr auf dem Kohlmarkt/Braunschweig.
In den letzten Wochen ist es in Braunschweig vermehrt zu Angriffen von vermummten, mit Stahlschlagstöcken und Messern bewaffneten Nazis gekommen. Allein die "falsche" Kleidung, das "falsche" Aussehen oder die "falsche" Haarlänge reichen aus, um zur Zielscheibe dieser Nazis zu werden. Ein Höhepunkt der Angriffe war der Brandanschlag auf den in einem Wohnhaus gelegenen Treff der DGB-Jugend in der Wilhelmstraße in der Nacht auf den 10. April 2006. Allein dieser Brandanschlag macht deutlich, dass die Nazis bei ihren Angriffen selbst den Tod völlig Unbeteiligter in Kauf nehmen.
Fast jeden Tag kursieren in Braunschweig neue Berichte über Angriffe von Nazis: Das Kinderzentrum der Falken in der Böcklerstraße wurde mit SS-Zeichen beschmiert, im Prinzenpark wurden vier Jugendliche von einer Gruppe Nazis angegriffen, ein Jugendlicher mußte daraufhin stationär im Krankenhaus behandelt werden. Am gleichen Tag wurden Punks von der selben Gruppe Nazis angepöbelt und bedroht. Gleich am nächsten Tag bedrohten ca. 20 Nazis vor dem "Beat Club" in der Innenstadt eine Gruppe von Punks und bewarfen den Eingang der Diskothek mit Flaschen. Eine Woche später versuchten sie erneut anzugreifen, flüchteten aber als sie sahen, dass sich ihnen eine größere Zahl von Menschen entgegenstellte.
Im Internetforum des NPD-Unterbezirks Braunschweig, in dem einige der Nazi-Schläger eifrig mitdiskutieren, wird ganz offen ausgesprochen, worum es ihnen geht: "Kamerad Kallweit, ich finde den Stadtputz auch eine super Sache, ich bin auch dabei. Aber BS sollte nicht nur von Müll und Unrat gesäubert werden sondern auch von gewissen Subjekten", schreibt da ein Forums-User anläßlich der großspurigen Ankündigung der NPD, am Braunschweiger Stadtputztag teilzunehmen (an dem dann ganze 4 NPDler teilgenommen haben). Hier werden Menschen, weil sie nicht der Ideologie der Nazis entsprechen, eine andere Meinung oder Einstellung haben oder gar offen gegen Nazis aktiv sind, in menschenverachtender Weise mit "Müll" und "Unrat" auf eine Stufe gestellt, von dem es die Straßen zu "säubern" gilt. Und genau was hier diskutiert wird, versuchen die Nazis mit ihren Angriffen umzusetzen. Ihre Strategie ist es, alle Menschen einzuschüchtern, die sie als ihre Gegner ansehen.
Angesichts der zunehmenden Brutalität der Nazis, gilt es, sich nicht einschüchtern zu lassen. Wichtig ist es, sich mit anderen zusammenzuschließen und sich gemeinsam gegen diese Angriffe zu Wehr zu setzen. Um deutlich zu machen, dass wir den Nazis nicht die Straße überlassen und ihren Angriffen tatenlos zusehen, wollen wir mit vielen Leuten zusammen einen nächtlichen Spaziergang durch die Innenstadt machen.
Nazis zwischen Harz und Heide - Ein kleiner Überblick:
Seit dem NPD-Aufmarsch am 18. Juni 2006 in Braunschweig ist in der ganzen Region zwischen Harz und Heide eine Zunahme faschistischer Aktivitäten, Überfälle und Organisierungsversuche festzustellen.
Die NPD, die jahrelang in der Region mehr oder weniger erfolglos in ihrem braunen Sumpf vor sich hindümpelte, ist gerade dabei ihre Strukturen zu reorganisieren. Ihr ist es gelungen, wieder jüngere Mitglieder zu gewinnen und diese aktiv in die Parteiarbeit einzubinden. Maßgeblich daran beteiligt ist der ehemalige Lehrer der Waldorfschule Andreas Molau aus Groß Denkte, der inzwischen stellvertretender Chefredakteur der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" und Berater der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag ist. Regelmäßig finden in Braunschweig, Wolfenbüttel und Goslar "Stammtische" der NPD statt, an denen auch Mitglieder militanter Nazi-Kameradschaften teilnehmen. An Braunschweiger Schulen werden immer wieder NPD-Flyer verteilt, im Oktober letzten Jahres verteilte die NPD u.a. in Braunschweig und Wolfenbüttel ihre sogenannte "Schulhof-CD" mit Rechtsrockmusik an Schülerinnen und Schüler. Seit dem Sommer 2005 ist der Unterbezirk Braunschweig der NPD auch mit einer Seite und einem Diskussionforum im Internet vertreten.
Allein der NPD-Aufmarsch hat gezeigt, dass in der Region inzwischen mehrere "Kameradschaften" existieren, die sich zunehmend regional und überregional vernetzen. Beim Aufmarsch angetreten waren u.a. die "Kameradschaft Salzgitter", zu deren Umfeld nach Angaben der Polizei allein "60 bis 80" Personen gehören, die Kameradschaft "Widerstand Gifhorn" mit ih-rem "Anführer" Michael Schneider (der inzwischen in Wolfsburg wohnt und eine Nazi-Internetseite mit dem bezeichnenden Motto "Wir sind die Rache für 1945" betreibt) und die Kameradschaft "Widerstand Braunschweig". Diese warb mit einem Transparent, das u.a. von dem Kameradschaftführer Daniel Gerecke und dem ehemaligen Ortsvorsitzenden der NPD-Jugendorganisation JN, Winfried Eggers, getragen wurde, für ihre Internetseite, die inzwischen vom Provider gelöscht wurde. Anfang des Jahres stellte eine weitere Kameradschaft aus Braunschweig eine Internetseite ins Netz (inzwischen ebenfalls vom Provider gelöscht). Daneben existieren, vor allem in den Vororten von Braunschweig kleinere Cliquen meist jugendlicher Nazis. Auch Michael Weinberg, der bisher Zuständiger der NPD für Braunschweig war, vor einigen Monaten aber aus der NPD geflogen ist, sammelt wieder jugendliche "Nachwuchsnazis" um sich, wie er dies vor ein paar Jahren bereits am Madamenweg versuchte.
In Wolfsburg wurde im letzten Jahr ebenfalls mehrmals versucht eine "Kameradschaft" auf die Beine zu stellen. Inzwischen gibt es in Wolfsburg die "Bürgerinitiative für Zivilcourage", ein Ableger gleichnamiger Gruppierungen aus Celle und Hildesheim, die fest in das bundesweite Netzwerk der "Nazi-Kameradschaften" integriert ist. Verantwortlicher der Flugblätter dieser Gruppe ist der bundesweit bekannte Naziführer Christian Worch aus Hamburg.
Ebenfalls vertreten beim NPD-Aufmarsch war die Braunschweiger Sektion von "Honour & Pride Niedersachsen", eine Organisation, die offensichtlich in der Nachfolge des verbotenen Nazi-Musiknetzwerk "Blood & Honour" steht. Am 30.7.2005 organisierte diese Gruppierung ein Fußballturnier auf dem Sportplatz des STV Salzgitter-Ringelheim, an dem sich Nazis aus der gesamten Region und darüberhinaus beteiligten. Am 29.01.2005 fand in Braunschweig ein Konzert mit Beteiligung von "Honour & Pride" u.a. mit der Nazi-Band Donnerhall aus Peine statt.
Dies war nicht das einzige Rechtsrock-Konzert in der Region: Am 14.1.2006 fand im Schwimmbad in Braunschweig Wenden ein als "Geburtstagsparty" getarntes Konzert mit ca. 150 Besuchern (ebenfalls mit Donnerhall) statt, dass von der Polizei aufgelöst wurde. Zuletzt spielten am 1.4.2006 in Dannenbüttel deutsche und aus-ländische Nazi-Bands vor 300 Nazis unter den Augen der Polizei, die keinen Anlaß sah einzuschreiten. Auch mit rechter Mode wird in der Region ein Geschäft gemacht: von Cremlingen aus vertreibt Marc Stange, der schon vor Jahren an FAP-Kameradschaftsabenden in Braunschweig teilnahm, seine eigene Naziklamottenmarke "MaxH8" - sprich: "Maximum Hate". Im sogenannten "Entertainment Store - "Garage" am Steinweg wurden offen T-Shirts von Nazi-Bands verkauft , bis AntifaschistInnen dagegen protestierten und die Sachen unter die Ladentheke wanderten.
Es rufen auf: Antifaschistisches Plenum & Jugend Antifa Aktion (JAA), DGB-Jugend Braunschweig, Gegenwind A.G. Gifhorn, Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), Sozialistische Jugend - Die Falken, KV BS







